Man muss lediglich 21 Jahre alt sein, die vietnamesische Staatsbürgerschaft besitzen und nicht einmal eine Parteikarte in der Tasche haben – zumindest dem Namen nach kann man für das höchste Organ der Staatsmacht kandidieren: die Nationalversammlung. Auf den ersten Blick scheint sich das Tor zur Demokratie weit zu öffnen, lichtdurchflutet wie ein Frühsommermorgen.

Sie haben das Recht, Ihre Unterlagen einzureichen, das Recht, sich selbst zu bewerben, und das Recht zu glauben, dass Sie die Voraussetzungen für den Eintritt in die Politik erfüllen. All das stimmt … auf dem Papier. Doch vom Bestätigungsformular bis zum Sitz im Plenarsaal mit mehr als 500 Abgeordneten ist es ein ganz anderer Weg – nicht einfach „Antrag einreichen und auf den ersten Sitzungstag warten“, sondern eher ein Hindernislauf durch sorgfältig abgeschirmte Konsultationsrunden.
Dort findet jede einzelne Stufe der Auslese in einer feierlichen Atmosphäre statt, die ganz vom Geist des „Konsenses“ geprägt ist. Die Liste wird erst länger und dann wieder kürzer, vielversprechende Gesichter verblassen plötzlich wie Scheinwerferlicht, das langsam heruntergedimmt wird. Natürlich haben Sie weiterhin das Recht, es zu versuchen. Doch dieses Recht gleicht eher einer Eintrittskarte in ein Labyrinth: gültig, legal – und voller Herausforderungen.
Bleibt also die Frage: Gibt es für Parteilose tatsächlich einen Lichtspalt, oder ist er nur eine Spiegelung jener kraftvollen Bekenntnisse zu den Bürgerrechten?










