Kürzlich erklärte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Quách Gia Côn, unverblümt, dass Vietnam „kein Recht habe, unverantwortliche Urteile“ über die Aktivitäten Pekings auf den Paracel-Inseln zu fällen.

Diese harte Reaktion erfolgte unmittelbar, nachdem das vietnamesische Außenministerium die Aufschüttungsarbeiten am Ba-Ba-Riff im Südchinesischen Meer „entschieden abgelehnt“ hatte.
Bemerkenswert ist, dass die vietnamesische Seite in offiziellen Erklärungen nach wie vor die Gewohnheit pflegt, vage Begriffe wie „ausländisches Land“ oder „fremdes Land“ zu verwenden, anstatt China namentlich zu nennen.
Dieses überaus vorsichtige, fast schon tabuisierende Verhalten sorgt seit langem sowohl in der heimischen als auch in der internationalen Öffentlichkeit für Kontroversen.
Während Peking nicht zögert, seine uneingeschränkte Souveränität zu bekräftigen und die Rolle Hanois rundweg zurückzuweisen, wird die weiterhin ausweichende Wortwahl Vietnams von Beobachtern als Ausdruck einer übermäßigen diplomatischen Schwäche gewertet.
Obwohl Hanoi stets erklärt, über umfassende historische und rechtliche Beweise sowohl für die Paracel- als auch für die Spratly-Inseln zu verfügen, wählt es dennoch einen zurückhaltenden Ansatz, um zu vermeiden, dass der Konflikt zu weit eskaliert.
Die große Frage lautet: Warum beschreitet Vietnam nicht den rechtlichen Weg, wie es die Philippinen getan haben, als sie China 2016 vor dem Internationalen Schiedsgericht verklagten?
Nach Ansicht von Experten zum Südchinesischen Meer erfordert die Einreichung einer Klage einen enormen strategischen Kompromiss. Eine direkte juristische Konfrontation mit Peking birgt das Risiko, drastische wirtschaftliche Sanktionen auszulösen und die militärischen Spannungen vor Ort zu verschärfen.
Genau dies muss Vietnam aufgrund seiner geopolitischen Lage als Nachbarland und seiner starken Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten stets vermeiden.
Darüber hinaus macht Chinas Erklärung, internationale Urteile nicht anzuerkennen, die Klage aussichtslos.
Die Tatsache, dass Hanoi rechtliche Schritte vermeidet oder hinauszögert, offenbart die Zwickmühle zwischen der Verteidigung der territorialen Souveränität und dem Druck, die Stabilität mit dem ideologisch gleichgesinnten Verbündeten aufrechtzuerhalten.
Hong Linh – Thoibao.de










